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Co-Parenting-Apps im Vergleich — OurFamilyWizard, 2Houses, FayrApp und Elterntakt

Ehrliche Übersicht über Co-Parenting-Apps für DACH-Familien: was OurFamilyWizard, 2Houses und FayrApp können — und wo sie an DACH-Recht scheitern.

Hinweis vorab: Dieser Artikel ist von den Elterntakt-Machern geschrieben. Ich versuche, ehrlich zu sein und die Konkurrenz nicht lächerlich zu machen — aber ich kann nicht so tun, als wäre ich neutral. Was du hier liest, ist meine Sicht auf das Feld, mit allen Verzerrungen, die das hat.

Was eine Co-Parenting-App wirklich leisten muss

Es gibt eine Menge Apps, die sich “Co-Parenting” auf die Flagge schreiben. Was dahinter steckt, variiert erheblich. Bevor man vergleicht, lohnt es sich festzulegen, was diese Apps tatsächlich können müssen — sonst vergleicht man Äpfel mit Taschenrechnern.

Sechs Kernfunktionen, die eine echte Co-Parenting-App braucht:

  1. Geteilter Familienkalender mit beidseitigem Schreibzugriff. Nicht “Elternteil A kann eintragen, Elternteil B sieht es”, sondern beide arbeiten aktiv daran.
  2. Dokumentation des tatsächlichen Umgangs. Nicht der geplante Kalender, sondern was wirklich stattgefunden hat — in einer Form, die bei Gericht oder Mediation verwendbar ist.
  3. Kostenmanagement. Sonderbedarf, hälftige Aufteilung, Belegablagen. Nicht nur “wer hat was bezahlt”, sondern die Logik dahinter, die dem Unterhaltsrecht entspricht.
  4. Strukturierter Nachrichtenkanal. Durchsuchbar, archiviert, eindeutig zuordenbar. Kein WhatsApp-Ersatz, sondern eine dokumentierte Kommunikation.
  5. Lokalisierte Unterhaltsberechnung. Düsseldorfer Tabelle für Deutschland, Prozentsatzmethode mit OGH-Wechselmodell-Logik für Österreich, Mankoteilung für die Schweiz. Das sind drei verschiedene Rechtssysteme.
  6. Datenschutzkonformität für das jeweilige Land. Für DACH bedeutet das DSGVO — und das nicht nur auf dem Papier. Bei Anbietern außerhalb der EU geht es konkret um die Anforderungen an Drittlandsübermittlungen (Kapitel V DSGVO).

Mit diesen sechs Punkten als Maßstab schauen wir uns an, was der Markt bietet.

OurFamilyWizard (USA)

OurFamilyWizard ist seit 2001 am Markt und hat sich vor allem in den USA zur Markt-Referenz entwickelt. Das merkt man: Das Produkt ist gereift, die Gerichts-Akzeptanz in den USA ist real.

Was gut ist: Der “OFW Journal”-Export ist von US-Familiengerichten in vielen Bundesstaaten anerkannt — Richter können direkt auf die dokumentierte Kommunikation zugreifen, ohne dass Eltern Screenshots einreichen müssen. Das ist ein echter Vorteil in hochkonflikthaften Scheidungen, wo jede Nachricht irgendwann vor Gericht landet. Die ToneMeter-Funktion (Tonalitätsanalyse vor dem Absenden) ist ebenfalls bemerkenswert: Die App markiert Formulierungen, die emotional aufgeladen wirken könnten, bevor man sie abschickt — übernehmen muss man die Vorschläge nicht. Das klingt nach Feature-Bingo, ist in der Praxis aber ein nützlicher Bremsstein. Fairnesshalber: ToneMeter ist ein kostenpflichtiges Add-on, nicht Teil des Basis-Abos.

Was nicht passt: Keine Düsseldorfer Tabelle, keine Prozentsatzmethode, keine Mankoteilung. Für DACH-Unterhaltsfragen ist die App blind. Die Oberfläche ist auf Englisch — nicht nur die Texte, auch die Logik dahinter (US-Kalender, US-Feiertage, US-Rechtsbegriffe). Hosting liegt in den USA, was DSGVO-Konformität mindestens zu einer Grauzone macht.

Wer OurFamilyWizard nutzen sollte: Familien mit US-amerikanischem Bezug, die den gerichtsverwertbaren Export für US-Verfahren brauchen. Wer ausschließlich in DACH lebt, bekommt ein solides Produkt für die falsche Jurisdiktion.

2Houses (Frankreich / Belgien)

2Houses kommt aus der frankophonen Welt und ist die europäische Alternative mit dem stärksten Track Record. Mehrsprachig (Französisch, Englisch, Niederländisch), mit einer relativ aufgeräumten Oberfläche und einem interessanten Feature: einer direkten Buchungsmöglichkeit für Partner-Mediatoren.

Was gut ist: Die EU-Herkunft bedeutet, dass Datenschutzthemen ernsthafter behandelt werden als bei US-Produkten. Die Mediation-Integration ist sinnvoll gedacht — Eltern können aus der App heraus eine Mediation buchen, was die Hemmschwelle senkt. Die Kalender-Funktionalität ist ausgereift.

Was nicht passt: Deutsch ist keine Kernsprache des Produkts — die Übersetzung ist lückenhaft, was auffällt, sobald man in spezifische Untermenüs geht. Wichtiger: Es gibt keine Düsseldorfer Tabelle, keine DACH-Schulferien, keine Unterstützung für das österreichische oder schweizerische Unterhaltsrecht. Die Partner-Mediatoren sind frankophone Mediatoren, nicht deutsche oder österreichische. Hosting in der EU, aber nicht in DACH.

Wer 2Houses nutzen sollte: Familien in der Romandie (Westschweiz), in BeNeLux oder mit frankophonem Hintergrund. Für deutschsprachige DACH-Familien ist der Sprachfit einfach nicht gut genug.

FayrApp (USA)

FayrApp positioniert sich explizit für hochkonflikthafte Trennungen. Das Produkt setzt auf Dokumentation durch GPS-Stempel: Jede Übergabe wird per Standortnachweis bestätigt, mit Foto-Beweisführung als Option.

Was gut ist: In Situationen, in denen jede Übergabe ein potenzieller Konflikt ist und beide Seiten Nachweise brauchen, ist der GPS-Ansatz konsequent gedacht. Für US-Verfahren, wo solche Nachweise verwertet werden können, hat das einen Wert.

Was nicht passt: Die GPS-Erfassung bei Übergaben ist für viele DACH-Eltern kulturell inakzeptabel — nicht weil die Situation nicht eskaliert wäre, sondern weil die Bereitschaft, den anderen dauerhaft zu tracken, in DACH anders liegt als in den USA. DSGVO-Konformität ist strittig. Kein deutsches Recht, keine DACH-Unterhaltslogik.

Wer FayrApp nutzen sollte: Bei sehr hohem Konflikt mit echtem Beweisbedarf für US-Verfahren. Als alleinige Lösung für DACH-Familien nicht geeignet.

Cozi, TimeTree und ähnliche Familienkalender

Eine wichtige Abgrenzung, weil diese Apps regelmäßig als Alternativen genannt werden: Cozi, TimeTree und vergleichbare Produkte sind Family-Calendar-Apps, keine Co-Parenting-Apps. Sie wurden für intakte Familien gebaut, die ihren Alltag organisieren möchten.

Was fehlt: Unterhaltslogik, dokumentierter Nachrichtenkanal, getrennte Sichtbarkeiten pro Elternteil, Gerichts-Export, und das Konzept, dass zwei Menschen nach einer Trennung getrennte Bereiche brauchen, die trotzdem koordiniert sind. Cozi reicht für Familien, die diese Koordination nicht brauchen. Für Trennungssituationen ist es das falsche Werkzeug — nicht weil es schlecht ist, sondern weil es nicht dafür gemacht wurde.

Was eine DACH-spezifische App leisten muss

Die internationalen Produkte zeigen, wo der Markt ist. Was sie nicht zeigen, ist, was für DACH-Familien tatsächlich funktioniert. Fünf Anforderungen, die keine der oben beschriebenen Apps vollständig erfüllt:

1. Sprache und Ton, nicht nur Übersetzung. Deutschsprachige Rechtstexte, deutschsprachige Fehlermeldungen, deutschsprachige Logik — nicht eine nachträgliche Lokalisierung von englischem Original-Copy.

2. DSGVO-Hosting in DE oder verbindlich in der EU. Nicht “wir bemühen uns um DSGVO”, sondern ein Auftragsverarbeitungsvertrag, der greift, und Hosting in einer Jurisdiktion, die das durchsetzt.

3. Alle drei Unterhaltsrechte native. Düsseldorfer Tabelle (DE) mit den aktuellen 2026-Bedarfssätzen, Prozentsatzmethode (AT) inklusive OGH-Wechselmodell-Logik, zweistufig-konkrete Methode nach BGE 147 III 265 (CH). Das sind drei verschiedene Systeme — und die Schweiz verbietet Tabellenwerke für die Unterhaltsberechnung sogar ausdrücklich. Eine gemeinsame “Unterhalts-Funktion” trifft keines davon richtig.

4. DACH-Schulferien vorinstalliert. 16 Bundesländer in Deutschland, 9 Bundesländer in Österreich, alle Kantone in der Schweiz. Das ist keine Edge-Case-Funktion — das ist der Grundbedarf jeder Familie, die Ferien plant.

5. Gerichts-Export für DACH-Gerichte. Nicht US-Gerichts-Export, sondern eine Dokumentation, die deutsche, österreichische und schweizerische Familiengerichte als Eingabe akzeptieren. Das existiert auf dem Markt noch nicht wirklich.

Was Elterntakt anders macht — ehrlich

Wir haben Elterntakt gebaut, weil wir diese Lücke aus der Praxis kennen: Familienanwältinnen und Mediatorinnen, die ihre Mandanten an englischsprachige Apps verweisen, weil deutsche Alternativen entweder nicht existieren oder den DACH-Rechtsrahmen verfehlen. Elterntakt ist unser Versuch, das zu schließen.

Was wir können:

  • Düsseldorfer Tabelle 2026, Prozentsatzmethode und Mankoteilung sind native eingebaut — nicht als Fußnote, sondern als Kern der Unterhaltsberechnung.
  • DACH-Schulferien aller Bundesländer und Kantone sind vorinstalliert.
  • Hosting bei Apple in Frankfurt (EU-Rechtsraum, DSGVO-konform).
  • Geteilter Kalender mit getrennten Lese- und Schreibrechten, plus einem Stiefeltern-Modus für Patchwork-Konstellationen.
  • Mediation-Export: eine PDF-Dokumentation mit chronologischer Kommunikation und Kalenderhistorie, die Mediatorinnen als Eingabe nutzen können.

Was wir noch nicht können — und warum:

Die ToneMeter-Funktion von OurFamilyWizard gibt es bei uns nicht. Sie ist auf der Roadmap, aber wir haben sie bisher nicht gebaut. Eine Tonalitätsanalyse, die wirklich hilft statt nur zu nerven, ist technisch anspruchsvoller als sie aussieht — und wir wollen sie nicht halbfertig herausbringen.

GPS-Übergabebestätigung wie bei FayrApp haben wir bewusst nicht gebaut. Nicht weil wir es nicht könnten, sondern weil die Akzeptanz in DACH eine andere ist. Wir glauben nicht, dass DACH-Eltern dauerhaft bereit sind, jede Übergabe per Standortnachweis zu dokumentieren — auch wenn der Konflikt hoch ist. Wenn wir das falsch einschätzen, werden wir es merken.

Die englische Version ist rudimentär. Elterntakt ist ein DACH-Produkt, und wir haben nicht versucht, es gleichzeitig für andere Märkte zu bauen.

Welche App für welche Situation?

Kein Produkt ist für alle Situationen richtig. Eine kurze Entscheidungshilfe:

SituationEmpfehlung
Trennung in DACH, normaler bis mittlerer KonfliktElterntakt
Trennung mit US-amerikanischem BezugOurFamilyWizard (ggf. parallel zu Elterntakt)
Trennung in der Romandie oder mit französ. Bezug2Houses
Sehr hoher Konflikt mit Beweisbedarf für US-VerfahrenOurFamilyWizard + ggf. FayrApp
Intakte Familie, kein TrennungsdruckCozi oder TimeTree

Wer in DACH lebt und sich parallel mit einer US-Situation auseinandersetzt — zum Beispiel ein Elternteil lebt in den USA, das andere in Deutschland — ist mit zwei Apps besser bedient als mit einer schlechten Kompromisslösung.


Nächste Schritte, je nach Situation:


Quellen

Zuletzt geprüft: 21. August 2026. Angaben zu Funktionsumfang und Preisen ändern sich bei allen Anbietern laufend — im Zweifel gilt die Herstellerseite, nicht dieser Artikel.

Die verglichenen Produkte

Die Rechtsgrundlagen, an denen wir sie messen


Diese Übersicht ist kein bezahltes Ranking. Wir vergleichen, was wir kennen, und bemühen uns um Fairness gegenüber der Konkurrenz. Wenn du eine App vermisst oder eine Korrektur hast: bitte melden, wir aktualisieren regelmäßig.