Gebaut von jemandem, der's selbst braucht.
Elterntakt gibt es, weil mir 2024 das Werkzeug gefehlt hat, das ich heute baue. Meine Ex-Partnerin und ich leben das Wechselmodell mit unserem Sohn — und obwohl wir sachlich miteinander umgehen, ist der organisatorische Aufwand erheblich: Kalender, Übergaben, Arztbesuche, Unterhalt. WhatsApp, Excel, mündliche Absprachen — irgendwas geht immer verloren.
Die eine etablierte Lösung, OurFamilyWizard, ist US-amerikanisch, englischsprachig und kennt weder Düsseldorfer Tabelle noch DSGVO. Also habe ich angefangen, etwas zu bauen, das für DACH passt — und schnell gemerkt: es gibt viele, denen es ähnlich geht.
Was konkret gefehlt hat
Getrennte Eltern organisieren keine Projekte, sondern ein Kind. Trotzdem greifen die meisten zu Projektwerkzeugen: ein geteilter Kalender hier, eine Tabelle für Auslagen dort, ein Chatverlauf als Gedächtnis. Das funktioniert, solange alle wohlwollend sind, und bricht in dem Moment zusammen, in dem es strittig wird — weil keins dieser Werkzeuge festhält, wer wann was zugesagt hat.
Drei Dinge fehlten mir am deutlichsten. Erstens ein Kalender, der aus dem vereinbarten Betreuungsmodell rechnet, statt dass beide dieselben Termine doppelt pflegen. Zweitens eine Kasse, in der eine Auslage nicht als Foto im Chat landet, sondern als Betrag mit Beleg und Quote im Saldo. Drittens ein Verlauf, den niemand nachträglich schönen kann — weder ich noch die andere Seite.
Der dritte Punkt ist der unbequemste und deshalb der wichtigste. Ein Journal, dessen Einträge sich später ändern lassen, ist kein Nachweis, sondern eine Behauptung. In Elterntakt sind Journal-Einträge nach dem Speichern unveränderlich, und das wird nicht per Konvention geregelt, sondern auf Datenbankebene erzwungen. Das schützt beide Seiten gleichermaßen — auch mich.
Warum DACH und nicht „international“
Kindesunterhalt wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach drei völlig verschiedenen Logiken bestimmt: in Deutschland über die Einkommensstufen und Altersgruppen der Düsseldorfer Tabelle, in Österreich über die Prozentsatzmethode mit Geschwisterabzug und Luxusgrenze, in der Schweiz über die zweistufig-konkrete Methode nach BGE 147 III 265 mit kantonalen Existenzminima. Eine App, die „Unterhalt“ als ein einziges Zahlenfeld behandelt, ist in keinem der drei Länder brauchbar.
Dasselbe gilt für den Kalender. Schulferien sind kein Detail, sondern der Grund, warum Betreuungspläne jedes Jahr neu verhandelt werden. Elterntakt kennt die Ferientermine der 16 deutschen Bundesländer, der 9 österreichischen Bundesländer und der 26 Kantone — nicht als Import, den jemand pflegen muss, sondern als Teil des Modells.
„International“ hätte bedeutet, überall ein bisschen zu passen. Der Aufwand, drei Rechtsordnungen sauber abzubilden, lohnt sich nur, wenn man sich auf sie beschränkt.
Wie die App sich verhalten soll
Elterntakt ist bewusst eine App, die Ruhe erzeugt, statt sie zu fordern. Keine Gamification, keine Streaks, keine animierten Benachrichtigungen, die zur Rückkehr drängen. Wenn sie gut ist, merkt ihr sie kaum — und genau das ist das Ziel.
Das hat Folgen für den Ton. Der Ton-Check in den Nachrichten nach der BIFF-Methode bewertet niemanden; er zeigt vor dem Absenden, welche Formulierung eskalierend wirkt, und schlägt eine sachlichere vor. Absenden kann man trotzdem, was man will. Es geht um die Sekunde Nachdenken, nicht um Erziehung.
Und es hat Folgen für den Preis. Elterntakt kostet 6,99 € im Monat oder 69,99 € im Jahr — pro Elternteil, weil beide eigene Konten haben. Der zweite Elternteil kann kostenlos mitlesen: Ein Werkzeug, das nur eine Seite bezahlt hat, wird von der anderen nicht genutzt, und dann trägt es nichts.
Was Elterntakt nicht ist
Keine Rechtsberatung. Die eingebauten Rechner sind Orientierungshilfen; verbindlich sind die Veröffentlichungen des Bundesministeriums der Justiz und des OLG Düsseldorf, und für den Einzelfall ist eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Familienrecht zuständig.
Keine Therapie und keine Mediation. Die App ordnet Organisation, sie löst keine Konflikte. Wenn ein Konflikt tiefer sitzt, hilft eine Familienmediation mehr als jede Software.
Und kein Datengeschäft. Die Server stehen in Deutschland, die Verarbeitung richtet sich nach der DSGVO, und es gibt keine Weitergabe von Nutzungsdaten an Dritte zu Werbezwecken. Was in der Datenschutzerklärung steht, ist die vollständige Antwort, nicht eine Zusammenfassung.
— Bastian John, Gründer